Taufe oder Beschneidung?

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TAUFE ODER BESCHNEIDUNG?
Familie 2.0

Reportage
30 Minuten
HR 2014

Regie: Heike Schröder und Uta Kolano
Kamera: Alexander Preuss

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Joanna St. (37) sitzt mit ihren Kindern Jan (5) und Celina (2) in der katholischen Kirche im hessischen Rödermark. Wie alle Kinder langweilen sich die beiden eher in der Kirche. Und doch wünscht sich ihre Mutter, dass sie nach alter Familientradition in die katholische Religion hineinwachsen. Für Joanna ist Religion ein immens wichtiges Thema. Ihr Mann Piri (40) stammt aus der Türkei und wünscht sich, dass sein Sohn Jan endlich beschnitten wird. Für seine strenggläubige katholische Ehefrau undenkbar: Das Kind ist getauft! Jetzt kann es nicht auch noch beschnitten werden!" Zwischen Joanna und Piri sind in den vergangenen Wochen offene Konflikte ausgebrochen. Sie fühlt sich von ihrem Mann betrogen, denn vor der Geburt der Kinder hatte es noch geheißen, dass die beiden katholisch erzogen werden sollen. Doch für ihn, den alevitischen Muslim, gehört Beschneidung einfach zum Mannwerden" dazu.
Zwei Religionen, zwei Welten und zwei Lebensentwürfe prallen aufeinander.

In Deutschland gibt es mehr als eine Million bikulturelle bzw. bireligiöse Partnerschaften. Nur die wenigsten von ihnen kommen mit dem immensen Spannungsverhältnis zurecht, wenn unterschiedliche Religionen aufeinanderprallen. So ist es auch bei Johanna (28) und Samir (40). Sie ist engagierte Protestantin und er stammt aus einer islamischen Familie in Tunesien. Samir hat sich von seinen eigenen religiösen Wurzeln abgewandt, weil er die Erfahrung gemacht hat, dass Religion den Menschen mehr Schlechtes als Gutes bringt. Auf keinen Fall möchte er eines Tages die Mutter mit dem gemeinsamen Kind beten sehen. Religiöse Symbole sind in der Wohnung tabu. Für die engagierte Protestantin Johanna undenkbar, zumal ihr muslimischer Mann inzwischen auf der Beschneidung des zukünftigen Stammhalters besteht. Denn für ihn steht fest: Allein aus kulturellen Gründen muss sein Sohn beschnitten ins Leben gehen.

Wie kommen bireligiöse Paare angesichts derartiger Konflikte miteinander zurecht? Lassen sich religiöse Kompromisse aushandeln? Wie kompatibel sind unterschiedliche Rollenbilder von Mann und Frau? In welcher Religion werden die Kinder erzogen und wird nicht manches auf ihrem Rücken ausgetragen?